Warum "mehr" oft nicht mehr bringt

Warum "mehr" oft nicht mehr bringt

Wenn Fortschritte ausbleiben, reagieren viele reflexartig gleich: „Okay… dann muss ich eben mehr machen.“ Mehr Training, mehr Disziplin, mehr Durchziehen.

Das fühlt sich stark an. Es ist aber oft nur eins: eine gute Idee im falschen Moment. Denn Training ist nicht das, was dich besser macht. Training ist nur der Auslöser. Besser wirst du in der Zeit danach.

Der große Denkfehler

Im Kopf klingt es logisch: Wer hart arbeitet, wird belohnt. Nur funktioniert Körperentwicklung nicht wie ein Stundenkonto. Sie funktioniert eher wie ein Update-Prozess: Training startet das Update. Regeneration installiert es.

Wenn du ständig neue Updates startest, bevor eins fertig ist, bekommst du nicht „mehr Fortschritt“. Du bekommst instabile Systeme: Müdigkeit, Stagnation, schlechte Einheiten.

Woran du merkst, dass du gerade nicht mehr Training brauchst

Nicht jeder schlechte Tag ist ein Problem. Aber wenn du dich über Wochen wiedererkennst, stimmt meistens nicht die Motivation, sondern die Dosis:

  • Du bist nach dem Warm-up schon „leer“.
  • Du brauchst deutlich mehr Koffein, um überhaupt in Gang zu kommen.
  • Du musst dich regelmäßig zum Training zwingen.
  • Du trainierst viel, aber Gewichte oder Wiederholungen bewegen sich seit Wochen nicht weiter.
  • Du bist öfter krank oder ständig angeschlagen.
  • Du schläfst, aber wachst nicht wirklich erholt auf.

Der wichtige Punkt ist nicht der einzelne Ausreißer. Es ist der Trend.

Der Perspektivwechsel, der dich wieder voranbringt

Viele versuchen Fortschritt über mehr Aufwand zu erzwingen. Die Frage, die du dir stellen solltest lautet aber:

„Was ist die kleinste Trainingsmenge, mit der ich zuverlässig stärker, fitter und belastbarer werde?“

Das ist unbequem, weil es das Ego aus dem Spiel nimmt. Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob du „alles gegeben“ hast. Es geht darum, ob dein Training wirksam war.

Reiz + Kapazität = Fortschritt

Ein Reiz bringt nur etwas, wenn der Körper ihn auch verarbeiten kann. Praktisch bedeutet das:

  1. Du setzt einen Reiz, der stark genug ist.
  2. Du setzt ihn so, dass du dich davon erholst.
  3. Du gibst dem Körper Zeit und Ressourcen, ihn zu verarbeiten.

Wenn Punkt 2 oder 3 fehlt, wird Training schnell zu „Lärm“: viel Bewegung, wenig Anpassung.

Drei Stellschrauben, die oft mehr bringen als ein zusätzlicher Trainingstag

1) Trainiere hart genug, aber nicht jedes Mal bis zum Anschlag

Viele machen jeden Satz zum Kampf, weil sich das nach „effektiv“ anfühlt. Für die meisten ist es jedoch langfristig sinnvoller, in den meisten Sätzen 1–2 Wiederholungen im Tank zu lassen (RIR 1–2).

Das ist kein „weniger geben“. Das ist besser dosieren.

✅ Technik bleibt sauber.
✅ Du erholst dich schneller.
✅ Du sammelst mehr gute Einheiten pro Monat.

2) Plane Deloads ein, bevor dein Körper sie erzwingt

Viele pausieren erst, wenn nichts mehr geht. Dann ist die Pause nicht erholsam, sondern frustrierend. Besser ist Wartung:

✅ Alle 4–8 Wochen eine Woche mit weniger Volumen (z. B. 50–70%).
✅ Intensität moderat lassen.

So bleibst du im Rhythmus und verhinderst, dass sich Müdigkeit „aufsummiert“.

3) Tracke nicht nur Training, sondern auch die Faktoren, die Training wirksam machen

Wenn du nur Sätze und Gewichte trackst, fehlt dir die andere Hälfte. Ein einfacher Check reicht oft:

✅ Schlaf: Menge und Konstanz
Stress: hoch = weniger Anpassung
Performance-Trend: über 2–3 Wochen (besser, gleich, schlechter)

Wenn Schlaf schlecht ist und Stress hoch, ist „mehr Training“ selten die Lösung.

Regeneration ist nicht „Pause“. Regeneration ist „Wiederaufbau“

Regeneration bedeutet nicht, dass du faul bist. Regeneration bedeutet, dass du die Bedingungen schaffst, in denen dein Körper besser werden kann:

  • ausreichend Schlaf
  • genug Essen (und ausreichend Protein)
  • Bewegung im Alltag (Spaziergänge, Tageslicht)
  • weniger Stress, wenn möglich
  • und manchmal: bewusst weniger Training


Fazit

Wenn du das Gefühl hast, du müsstest immer mehr tun, um voranzukommen, ist das oft ein Hinweis darauf, dass nicht der Einsatz fehlt, sondern die Verarbeitung.

Du brauchst nicht mehr Training. Du brauchst mehr Anpassung.

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